4x4x48 Challenge

4x4x48 Challenge by David Goggins


Es ist so weit oder besser gesagt es war soweit. Im Zeitraum vom 01.05.2020 um 00:00 Uhr bis 02.05.2020 um 20:00 Uhr habe ich mir meinen ersten kleinen Läufertraum erfüllt. Ich bin innerhalb von 48 Stunden aller 4 Stunden 4 Meilen (6,4 Km) gerannt. Das macht zusammen 12 Runden und am Ende waren es 82 Kilometer, weil ich ab und an ein paar Meter mehr gerannt bin. Aber fangen wir von vorne an und wie man auf diese Idee kommt. Ich bin gar nicht auf diese Idee gekommen, sondern ein Typ namens David Goggins, ehemaliger Neavy SEAL und vor allem Ausdauersportler mit einer unzerbrechlichen Einstellung. Dieser Herr ist daran Schuld, dass mein großes Laufziel der „Badwater 135“ ist, ein Ultralauf durch`s Death Valley auf einer Distanz von 205 Kilometern, im Sommer. Aber das ist eine andere Geschichte, warum ich das vorhabe...

Jedenfalls verfolge ich diesen Goggins bereits seit einem Jahr und intensiv seit diesem Jahr, was dazu führte ein Buch von Jessie Itzler zu lesen: „Leben mit einem SEAL“ in dem Goggins oder im Buch nur SEAL genannt einen Monat lang bei Jessie und seiner Familie einzieht. Doch von dieser 4x4x48 Challange habe ich von Itzler das erste Mal im Podcast von Joe Rogan gehört in dem die beiden über David Goggins und dieses 1-Monat-Zusammenleben-Projekt reden. Da kommt die Challenge so witzig rüber, dass sie mich irgendwie sofort in ihren Bann gezogen hat. Leider fühlte ich mich bisher noch nicht fit genug um es an zu gehen. Doch nun, da ich bereits über 1.500 Km in diesem Jahr gerannt bin und mittlerweile auch ein paar Läufer über Soziale Medien kennen gelernt habe, dachte ich mir „Ach, komm, lass einfach ne Gruppe gründen, vielleicht macht ja sogar jemand mit“ und wenn nicht hätte ich es halt allein gemacht. Aber an dieser Stelle nochmal fettes DANKE an alle, die bei der Challenge mitgemacht haben und auch an die, die mental unterstützt haben!!! Vor allem an meine Frau, die mich mit super leckerem Essen und ebenfalls mental unterstützt hat. Sie ist sogar drei Mal mit gelaufen. 

Geplant war um 0 Uhr am 01. Mai zu starten und das habe ich dann auch so umgesetzt. Vorher habe ich noch circa 1 Stunde Schlaf ergattern können. Also müde, aber okay, ging es endlich los. (Normalerweise gehen wir 22 Uhr schlafen und stehen zwischen 4 und 5 Uhr wieder auf)
Vorher habe ich noch ein Glas Fanta ohne Zucker getrunken. Bei 13 °C und Wolken am Himmel rannte ich schließlich total aufgeregt los. Unterwegs durch Flöha traf ich wenig Menschen, ein paar Katzen und in ein paar Wohnungen wurde lautstark gefeiert. Ach ja, meine Kopflampe habe ich natürlich gleich beim ersten Lauf vergessen, aber die sehr dunklen Passagen habe ich auch ohne gemeistert. Auf dem Rückweg wartete ein junger Typ im Empfangsraum des Polizeireviers auf seinen Kaffee, es fing kurz an mit regnen, aber ich war nach 37 Minuten wieder zu Hause und freute mich auf den Streuselkuchen mit Haselnussglasur von Mia. Mein Magen schien jedoch verwirrt, aber nach Kuchen und Kakao ging es um 01:30 Uhr wieder ins Bett.

Die 2. Runde startete um 4 Uhr morgens bei 10 °C und immer noch mit Wolken am Himmel. Wieder einige Katzen getroffen, die nicht wussten was der blöde Typ da mitten in der Nacht in ihrem Revier so durch die Gegend rennt. Eine Oma blickte neugierig aus dem Fenster und es kamen mir tatsächlich 3 Autos entgegen. Die Vögel zwitscherten bereits in allen Tonlagen, aber ansonsten gab es auf den knapp 40 Minuten nichts spannendes zu sehen oder zu hören. Ich hatte ein wenig mit Sodbrennen zu kämpfen (zu viel Süßkram). Ziemlich müde war ich auch, da ich ja sonst um diese Uhrzeit bereits ausgeschlafen aufstehe und meine Atemübung mache. Mein Magen war noch immer verwirrt. Dann kuschelte ich mich zurück zu Frau und Hund ins Bett. Nach 2 Stunden schlafen versuchte ich mit Hilfe der „Wim Hof Method“ App meine morgendliche Atemübung direkt im Bett zu erledigen – böser Fehler, denn ich schlief natürlich ständig ein. 

Vor der 3. Runde gab es eine Banane, ein Glas Wasser und eine Portion Nüsse. Meine Suunto 9 Baro Uhr sagte mir, dass ich in der Nacht insgesamt 4 Stunden und 10 Minuten geschlafen habe, ich 5 Stunden und 8 Minuten wach war und volle 57 Minuten im Tiefschlaf verbracht habe, was so viel bedeutet wie: schlechte Schlafqualität. Aber hier geht`s ja um Laufen und nicht um Schlafen, denn schließlich geht Goggins zwischen den Läufen hin und wieder mal ins Fitnessstudio...ja, ne, ist klar. Kann man machen, aber nicht wenn man so ein Weichei wie ich ist, denn ich bin zu Beginn von Runde 3 völlig hinüber. Aber wenigstens ist die Temperatur wieder gestiegen, mittlerweile auf 13 °C inklusive Sonne und blauem Himmel. Es gibt natürlich an einem Samstagmorgen um 8 Uhr nach einem Feiertag wieder mehr Menschen in der Kleinstadt, dafür wieder weniger Katzen. Ich hab unterwegs noch einen Kumpel getroffen, der mich erst gar nicht erkannt hat und auf dem Rückweg dann am Fluss zum Angeln stand. Hab mich gefreut ihn mal wieder gesehen zu haben. Hab ich schon das geile Wetter erwähnt? Mega! Da ist sogar nach einem 36 Minuten Läufchen die Müdigkeit so gut wie weg. Das Obstfrühstück, der Kaffee und der Smoothie besiegen die Müdigkeit dann vorerst komplett.

Vor Runde 4 war noch eine gute Freundin zur Vitalstoff Analyse bei uns und während Mia im Nachbarzimmer an der Nähmaschine gezaubert hat, habe ich mit Diana mal geschaut wie es denn um meine ganzen Vitamine, Mineralstoffe und so weiter im Körper so bestellt ist. Alles gut wie es aussieht. Also dann pünktlich 12 Uhr Mittag auf zu Runde 4 bei angenehmen, leicht bewölkten 17 °C auf dem Thermometer. Noch fix ein Glas O-Saft hinter gekippt und die Schuhe diesmal weg gelassen, rannte ich in Rekordzeit durch das gute alte Flöha. Phu, nach nicht ganz 36 Minuten war ich dann auch schon zu Hause. Da gab es dann auch schon Nudeln mit Champignons, 1 Liter Cocoswasser mit Leitungswasser verdünnt und eine Portion Nüsse mit Goji-Beeren. Und natürlich noch nen Kaffee. Und wir waren noch kurz bei der Nachbarin einen Fahrradanhänger holen. Außerdem konnte ich noch gut 30 Minuten Schlaf vor Runde Nummer 5 ergattern, welcher mir allerdings beim Aufwachen und Strecken einen Krampf in der linken Kniekehle bescherte. Aber nützt ja nun alles nichts...

Ab ging es in die 5. Runde, die ich gemeinsam mit Mia und dem „Traildog“ laufen durfte. Die Runde war zwar erst nach 50 Minuten und etwas über 7 Kilometern beendet, aber eine willkommene Abwechslung zur Standard Runde. Außerdem waren ja die beiden Verrückten mit dabei, was meist sehr viel witziger ist als allein mit seinen Gedanken zu laufen. Mit Bauchschmerzen ging es dann wieder nach Hause. Also das nächste Mal sollte ich auf den ganzen Süßkram und Kaffee verzichten denke ich, aber der selbstgebackene Kuchen ist halt jedes mal so lecker. Jedoch habe ich gemerkt, dass bei einem Marathon bzw. einem Ultramarathon das Verlangen nach Zucker deutlich stärker ist als bei so einer Challenge. Um dem Körper ein wenig Entspannung zu gönnen machte ich ein Muskelbad mit noch etwas Basensalz drin.

Um 20 Uhr ging es dann bei bewölktem Himmel, aber irgendwie schönem Wetter zur Runde 6, d.h. Halbzeitlauf. Die Füße, vor allem der linke Fuß, schmerzten schon ein wenig, aber das bin ich mehr oder weniger gewohnt. Unterwegs beantworte ich noch fix eine Sprachnachricht an eine Freundin und kam nach 46 Minuten wieder zu Hause an. Dort gab es einen mega, hammer, leckeren Auflauf inklusive Dessert und allerlei Naschereien. Ich bin müde und mache mir Gedanken darüber wieder einmal Auszumisten (blöde Angewohnheit von Minimalisten). Auch denke ich darüber nach nicht mehr so viel zu werten, was in der heutigen Welt leider nicht so einfach ist, denn es gibt so viel Mist der passiert und erzählt wird. Seht ihr, schon wieder. 

In der Nacht ging es bei 7 °C und Sternenhimmel auf in Runde 7 und vorher hatte ich unglaubliche 1 ½ Stunden Schlaf bekommen. Ich bin erst 00:05 Uhr gestartet und habe nicht mal was getrunken. Aber ich mag die Nachtläufe irgendwie. Ein Hund war mega aggro und drehte völlig durch als ich vorbei bin. Einige Parties gingen von statten und eine größere Gruppe mit vielen Hunden begegnete mir noch kurz vorm Ziel. Ich war irgendwie viel zu dick angezogen und daher durch bis auf die Knochen, obwohl es am Anfang ein sehr schleppender Lauf war. Zu Hause aß ich noch mehr Auflauf, eine Banane und füllte meinen Flüssigkeitshaushalt wieder auf, natürlich ganz leise um die schlafende Frau und den schlafenden Hund nicht zu wecken. Der Fuß schmerzte wie verrückt und ich habe mich dann um 01:30 Uhr wieder hingelegt.

Zur Runde 8 wachte ich schweißgebadet und viel zu spät auf. Ich wollte alles hinwerfen, aber dann sprach mir Mia ins Gewissen und so startete ich eben 40 Minuten später. Es wurde bereits hell und es waren noch immer 7 °C, allerdings war es nun bewölkt. Der Zeitungsjunge begegnete mir und sah mich komisch an, es waren wieder Autos unterwegs und es lag Bäckerduft in der Luft, was es nicht unbedingt leichter machte die müden Beine zu überwinden. Die Bauchschmerzen sah ich dann als Zeichen nicht beim Bäcker halt zu machen. Zu Hause trank ich dann mit meiner Frau einen Kaffee gefolgt von einem Bananenshake. Um 06:30 haben wir uns bis 07:30 Uhr nochmal zum Hund ins Bett gekuschelt.

Vor der 9. Runde um 8 Uhr schaue ich auf die Uhr, die mir folgendes sagte...

Schlaf: 4 Stunden und 47 Minuten, Wach: 4 Stunden und 26 Minuten und Tiefschlaf ganze 40 Minuten.

Mittlerweile sind draußen bewölkte 10 °C, zumindest bis Kilometer 4, danach kommen Wind und Regen dazu und nimmt uns ein ganzes Grad Celsius der Temperatur weg. Ja, genau, Mia ist auch wieder mit dabei und wir rennen diesmal eine abgewandelte Runde durch den Bahntunnel. Ich beschließe irgendwann gegen das Rolltor zu springen. Dass meine super Frau bei der Challenge nicht nur die Verpflegung komplett übernommen hat, sondern auch noch ein paar Runden mit gelaufen ist, hat mich unheimlich gepushed. DANKE Schatz! Danach kommt es zum Gefühlschaos, aber bin super entspannt, außer dass Social Media ganz schön nervt. Das werde ich beim nächsten Mal anders lösen, aber dadurch dass auch andere im gleichen Moment mit leiden und laufen, schlafen, essen etc. poste ich weiter meine Runden. Der blöde linke Fuß nervt langsam ganz gewaltig und hoffe durch die Atmung von Wim Hof bzw. ein wenig Stretching ein wenig Besserung zu bekommen. Auf jeden Fall gab es dann ein super Frühstück und ich laß das Buch von David Goggins weiter um mich wieder etwas selbst zu motivieren, auch wenn er sagt, dass Motivation ziemlicher Quatsch ist, wenn man nicht getrieben ist. Auf jeden Fall hilft das Buch sehr. 

Pünktlich 12 Uhr Mittag laufe ich wieder mehr als 4 Meilen und ziemlich schnell für meine Verhältnisse, aber 14 °C mit Regen sind auch ideal dafür. Am Ende kommt dann aber die Sonne raus. Das war eine echt geile 10. Runde und es waren seltsamerweise keine Menschen auf den Wegen unterwegs, waren wohl alle einkaufen oder Mittagessen. Das gab es für mich dann auch nach der Runde, wieder Auflauf, Limo und Cocoswasser. Auf Grund der Müdigkeit legten wir uns nochmal hin, was sich als schlechte Idee heraus stellte, denn danach brauchten wir erst mal noch einen Kaffee und natürlich Kuchen. Die Zeit bis zur nächsten Runde vergeht immer sehr schnell, wenn man schläft.

Fast geschafft, vorletzte Runde um 16 Uhr und davor noch einen Schluck Cocoswasser mit einer Hand voll Nüssen.

 

Rambo und Mia wollten wieder mit, was sehr erstaunlich ist, weil Mia früher immer gesagt hat „unter 15 °C und Sonne gehe ich nicht joggen“ und jetzt ist sie wohl Läuferin geworden, der das Wetter so ziemlich egal ist. Regen, Regen, Regen, der arme Hund. War echt nass, aber geil. Den Traildog zu Hause trocken gerubbelt und noch einen Kaffee getrunken. Wieviele waren das jetzt eigentlich? Jetzt gab es noch ein paar Nüsse und Beeren, dann noch ein Meersalz Bad gemacht und mich gefreut, dass ich es fast geschafft habe. Ach ja, die tägliche kalte Dusche musste ich auch noch machen und als Belohnung gab es Nudelsalat und Entspannung. 

Das Finale um 20 Uhr rannte auf der heimischen Wiese direkt am Fluss und verlängerte noch ein Stück im Viertel. Mittlerweile habe ich außer den Schmerzen im linken Fuß auch noch eine sehr schmerzhafte Hornhautblase am rechten Fuß, aber das ist mir fast egal, weil ich meinen ersten kleinen Läufer Traum mit Beendigung der letzten Runde erfüllt habe. Mia kam dann als ich die letzten Meter gelaufen bin, mit dem Minidobermann rüber auf die Wiese um mich in Empfang zu nehmen und natürlich um mich zum Abschlussessen abzuholen. Das war ein Festmahl, aber das war jedes Essen. Ohne Mia hätte ich mich glaube ich nur von Tiefkühl Pizza ernährt. Am Ende waren es für mich 82 Kilometer in 48 Stunden, was nicht so viel ist, aber durch das immer wieder „entspannen“ und ausruhen, ist es doch eine ziemliche Qual.

Nun, das war die super ausführliche Berichterstattung meiner 4x4x48 Challenge, die ich dem unglaublichen David Goggins (und irgendwie auch Jessie Itzler) zu verdanken habe. Mittlerweile bin ich auch 50 Kilometer am Stück gerannt und kann sagen, dass diese nicht ganz so sehr auf die Psyche gehen wie die 4 Meilen aller 4 Stunden für 48 Stunden. Allerdings ist ein 50er eine andere körperliche Belastung. Ich kann also das bestätigen, was andere Teilnehmer und sehr viel erfahrenere Läufer berichtet haben: „Die Challenge ist mehr eine mentale Herausforderung als eine Körperliche.“ 

Vielen Dank an alle, die mit dabei waren, mich unterstützt haben, vor allem meine Frau Maria und Sven aus dem Ruhrpott. Aber auch an alle anderen Leute, die immer wieder gefragt haben wie es so läuft und zur Leistung gratuliert haben – fettes Dankeschön.

Bis bald bei einer neuen Herausforderung, euer Waldi

Instagram: @waldi.journey